
Wir frühstücken auf unserem ruhigen Plätzchen auf den vorhandenen Sitzgelegenheiten, und währenddessen kommt die Sonne heraus. Da das Haff eher einem See gleicht (also keinen Strand hat), packen wir unsere 7 Sachen und fahren auf einen bewachten Parkplatz nach Mistroi rein, ca. 5km weiter. Von dort laufen wir mit unserem Bollerwagen an den Strand.
Der Fairness halber- das ist hier (wie ja schon mehrfach gesagt) unser erster Sommerbesuch hier oben im Norden. Insofern ist es vielleicht einfach nur für uns neu, aber irgendwie waren wir nicht davon ausgegangen, dass es hier so voll und touristisch ist, gerade auf der polnischen Seite (und ja, es gab Leute, die das explizit vorher zu uns gesagt haben). Während die Orte an der deutschen Ostsee zwar touristisch sind, aber eben auch extrem gepflegt, übersichtlich, deutsch eben, überrascht uns Mistroi zwar mit einem Wahnsinnssandstrand, aber auch mit massenhaft Seegras im Wasser, und vor allem auch mit massenhaft Leuten am Strand.

Zweiteres ist jetzt nicht schlimm, aber eben unerwartet, ersteres heißt für Rufus und mich: sorry, bäh, da gehen wir auf gar keinen Fall rein (wohlgemerkt, das Wasser war die ersten 10m wirklich zähflüssig vor lauter Gras). Wie wir dann festgestellt haben, war ca. 100m weiter das Wasser aber blitzblank, und so haben wir halt da gebadet, und das nicht nur einmal kurz. Die Jungs bauen wieder im Sand, Henry und ich spielen Kniffel, und der kleine Kerl zieht eine ordentliche Anzahl Bernsteine aus der Brandung.

Abends wandern wir auf dem Weg zurück zum Womo durch den Ort. Wir passieren gefühlte Millionen von Touri-Läden mit aller Art von Strand-Geraffel, aber es gibt auch Eis und (krassgeil) Waffeln mit Sahne und Erdbeeren. Und zwar alles frisch gemacht, ich liebe Polen!! So gestärkt, treten wir den restlichen Heimweg an. Während Roman unseren Hausstand verlädt, springe ich nochmal schnell in den Lidl nebenan und vervollständige unsere Vorräte um Eier, Brötchen und Mais. Dann kurven wir weiter die Küste hoch, ich will den zweiten angekündigten Sonnentag nochmal an einem anderen Strand nutzen. Wir fahren eine Stunde durch Touri-Örtchen, eins netter als das andere.
Es gibt Karusels, Touri-Geraffel, oft kleine Häfen, man kann schlendern, sieht RICHTIG schön aus!! Allerdings haben wir auch schon festgestellt: die Preise für Stellplätze (nicht Campingplätze!!) gleichen hier mindestens der deutschen Ostsee, sprich es geht bei 20€ pro Nacht los, und auch 30 sind keine Seltenheit. Gewohnt sind wir 5-10€. Dank P4N finden wir aber einen Platz, der (da keine Klos und kein Strom, die wir eh nicht brauchen) nur 12€ pro Nacht kostet. Wir buchen uns für 2 Nächte ein, um gleich mal unser Timing zu optimieren. In Rekordgeschwindigkeit grillt Roman Steaks und Würstchen, die wir in der Sonne verdrücken, es wird insgesamt wärmer.

Den Tag drauf verbringen wir am direkt am Platz gelegenen und deutlich weniger (aber nicht wenig) frequentierten Sandstrand. Das Wasser ist blitzsauber, es ist wirklich sehr chillig!! Zumindest wenn wir den Strand erreicht haben, bis dahin erfreuen uns die Kids mit allerlei traurigen Gesängen, dass sie HAUSEHAUSE wollen (Rufus) oder überhaupt alles doof ist und die Welt schlecht und sehr ungerecht (Henry).
Abends verwöhnt uns der Platzbesitzer mit den Piroggen, die seine Frau selbst macht, dazu gibt es belegte Baguettes. Nur sehr kurz vor dem Platzen rollen wir zum Womo, verfrachten die Kids ins Auto und genießen noch ein Weinchen vor unserem Womo. Der nächste Tag begrüßt uns mit Regen. Und zwar mit FETTEM Regen um halb7 in der Früh, was uns einen ungewohnt frühen Start im Kindergereich beschert. Am Tag zuvor hatte ich noch Wäsche gewaschen und zum Glück auch noch fast komplett getrocknet, aber ein paar Badesachen und der Bollerwagen haben eine ungeplante Dusche bekommen. Frühstücken können wir trotzdem draußen, wie gesagt - es ist jetzt warm. Wobei "warm" heißt: 19°, man gewöhnt sich also vielleicht auch einfach nur dran...

Wir lassen Klo und Wasser da und füllen letzteres noch nach, und dann geht's weiter, die wunderschöne Küste nach Osten. Unser lieber Maczej hat uns einige Tipps gegeben, und so landen wir am Strand in Grzybowo. Der ist wieder unfassbar schön, allerdings zieht das Wetter zu, kaum dass wir den Strand erreicht haben. So bleiben wir zwar etwas, ein Bier und ein Sanddorn-Spritz (Geheimtipp, schmeckt super!!) gehen auch, aber nach einer Ladung Fisch, Pommes und Salat fahren wir noch nach Kolberg. Und zu unserer ersten Nacht in freier Wildbahn, kein Stellplatz, einfach ein Parkplatz, ca. 2,5km vom Stadtzentrum, ohne Wache, ohne Bezahlung.

In den Ort gelaufen sind wir schnell, es geht über eine Brücke durch den Hafen in die Altstadt. Man kann Riesenrad fahren (40€ für 10 Min, danke aber nein), es gibt jede Menge Piraten-, Kriegs- und Wikingerschiffe, mit denen man sich eine Stunde aufs Meer bringen lassen kann, außerdem einen Leuchtturm und eine wunderschöne Promenade. Hier bei Sonne, Baden am Stadtstrand, Eis auf der Promenade... könnte ich mir SEHR gut vorstellen!!
Aber, mangels Sonne bleibt es bei Eis und Waffeln. Und dann bei einem sehr schnellen Heimweg, es fängt nämlich wieder das regnen an, aber diesmal wieder mit Schwung!! Und dann noch 2,5km heimlaufen... Aber unsere Mäuse sind ja super (und wissen außerdem, dass alles Mosern auch nix hilft), und so schlappen sie mit uns gen Womo. Abends retten wir die Welt, diesmal in erweiterter Besetzung - Henry beginnt langsam mitzuretten. Und das tatsächlich auch für uns lustig, hat durchaus schon was beizutragen, der kleine Kerl!

