
Wir machen diesmal ein WoMo Innenfrühstück in Hel - erstens weil es tatsächlich etwas bewölkt ist, trotz angenehmer Temperatur und zweitens weil wir natürlich weg kommen wollen, denn heute soll es wirklich nach Danzig gehen. Das Sträßchen auf Hel fährt sich angenehm, wir ver- und entsorgen unterwegs noch fix alle Wasservorräte (und natürlich auch unsere Toilette).
Das geht auf Hel relativ einfach - es gibt einen kostenpflichtigen Parkplatz mit kostenloser Entsorgungsmöglichkeit. Faktisch kann man damit für ca. 2€ Parkgebühren das Wohnmobil für die nächsten 3-4 Tage unabhängiges Stehen fit machen. Und wir wissen, dass unser angepeilter Parkplatz in Danzig keinerlei Infrastruktur für Wohnmobilisten bietet.
Es ist tatsächlich etwas ungewohnt, dass es auf einmal wieder dreispurige Straßen gibt. In den letzten Wochen waren wir eher einspurig unterwegs. Weil wir am Samstag unterwegs sind ist relativ viel los, so dass wir durch einige Vororte Danzigs nur im Schritttempo unterwegs sind. Ansonsten kommen wir relativ problemlos an unserem ausgesuchten Parkplatz an, der nah an der Danziger Innenstadt liegt und video-überwacht wird. Komisch - obwohl in allen Tagen, die wir bisher in Polen verbracht haben noch nie irgendeine Situation aufgetreten ist, in der wir uns unwohl oder unsicher gefühlt haben, habe ich Bedenken unser Auto auf einem "normalen" Parkplatz abzustellen. Auf dem Parkplatz in Danzig wird auch der geschickteste Dieb zumindest unsere Fahrräder nicht klauen können. Die hängen nämlich 4m über dem Boden, weil wir mit dem Heck so weit hinten stehen.

Wir brechen sofort in die Danziger Altstadt auf, die in ca. 20 Minuten zu Fuß erreichbar ist. Unterwegs setzt leichter Nieselregen ein, was wieder zu einem Stimmungseinbruch bei den Jungs führt. Leicht murrend erreichen wir trotzdem die wunderschöne Altstadt von Danzig und laufen durch die Touri-Meile bis zum Hafen.
Rufus will ja bereits seit 2 Wochen Boot fahren, daher besteigen wir ein Piratenschiff das uns in knapp 80 Minuten durch die Danziger Bucht fährt. Wir passieren die legendäre Danziger Werft, wo damals die Gewerkschaftsaufstände begonnen haben, die schlussendlich zum Zusammenbruch des Warschauer Paktes geführt haben. Auch an der Westerplatte fahren wir vorbei - dem Ort der im 2. Weltkrieg als erstes von der Wehrmacht angegriffen wurde. Chrissi, Rufus und ich finden das toll - nur Henry ist wieder mal etwas "gelangweilt" - und das liegt sicherlich nicht nur am einsetzenden Nieselregen.

Zurück an Land suchen wir zunächst nach einem Caffee zum Aufwärmen und werden natürlich fündig. Rufus bestellt sich einen großen Schoko-Kuchen, ich nehme einen Brownie mit Eis, Chrissi einen Apfelkuchen und Henry eine Bisset-Mango Torte. So gestärkt laufen wir zurück zum Wohnmobil, wo wir nach dem Abendessen noch eine legendäre Mensch-Ärger-Dich-Nicht Schlacht spielen.
Die Kirchenglocken am nächsten Morgen sind gar nicht so laut wie befürchtet, und nachdem die Sonne scheint, brechen wir noch einmal in die Danziger Altstadt auf - diesmal ganz ohne Murren. Ist mit Sonne tatsächlich noch schöner als am Vortag und nach einer Runde Eis und dem Einkauf für die nächsten Tage geht es wieder zurück zum Parkplatz.
Wir haben uns gestern Abend entschieden, dass wir quer durch Polen an Lodz vorbei bis nach Katovice fahren wollen, damit wir am Montag in den größten Freizeitpark Polens, ins Energylandia gehen können.
Die Fahrt geht fast komplett über die Autobahn, aber 530km nehmen dennoch viel Zeit in Anspruch. Da das Mittagessen noch nicht stattgefunden hat, schlage ich vor, und auf einem Rastplatz im Mc Donalds fix einen Burger bzw. Pommes zu gönnen - sollte ja schnell gehen. Aber weit gefehlt - wir warten in einem Fast-Food Restaurant tatsächlich über eine Stunde auf unsere Bestellung. OK - die erste halbe Stunde haben wir nicht gecheckt, dass wir zunächst an der Kasse bezahlen müssen, bevor die Bestellung überhaupt bearbeitet wird, aber auch danach werden wir einfach vergessen.

So kommen wir erst nach 1,5 Stunden wieder los und aus der angepeilten Ankunft um 19:16 Uhr sind zwischenzeitlich 20:54 Uhr geworden - heißt wider Ankunft bei völliger Dunkelheit. Ein paar gesperrte Straßen sorgen noch für einige zusätzliche Minuten, daher sind wir froh, als wir an unserem Parkplatz neben einem Friedhof, nur 4km von Energylandia entfernt ankommen.
Am nächsten Morgen sind wir pünktlich auf dem Parkplatz des Freizeitparks der bereits von Weitem mit spektakulär aussehenden Achterbahnen zu sehen ist - OK das wird etwas extremer, als Hossoland. Noch bevor wir Karten kaufen können, fängt es an zu regnen. Toll - fängt ja gut an. Gottseidank nur ein kurzer Schauer, so dass wir bereits kurz nach Öffnung des Parks auch drin sind.
Es zahlt sich wieder mal aus, dass wir außerhalb der Stoßzeiten unterwegs sind, heißt am Wochentag und nach den polnischen Ferien, denn Energylandia ist dadurch relativ leer. Wir wollen als Erstes eine Mischung aus Achter- und Wildwasserbahn fahren - aber denkste, erst ab 140cm. Damit sind die Jungs leider 10cm zu klein. Wir nehmen also "nur" eine normale Wildwasserbahn. Aber dafür ist das Wetter noch nicht gut genug.
Dann kommt die erste richtige Achterbahn, der RMF Dragon. Hier müssen wir 20 Minuten lang anstehen, aber die Zahlen auf dem Boden zeigen, dass hier auch 120Minuten üblich sind. Die Bahn ist ziemlich gut - schon der erste Bogen, der steil in ein Drachenmaul führt, sorgt für erhöhten Puls. Die Jungs finden es spitze.

Danach geht es direkt zur Formula, die mit einem Looping und einigen Drehungen um die eigene Achse aufwarten kann. Beim Anstehen sind wir noch skeptisch, ob wir den Jungs vielleicht nicht zu viel zumuten. Aber auch hier kein Grund zur Sorge. Man wird nach einem Countdown aus einer Röhre direkt in den Looping geschossen und Rufus hat sofort die Arme oben. Die Jungs sind echt hart im Nehmen.
In der parkeigenen App sieht es so aus, als ob die Jungs nur wenige Bahnen mitfahren könnten - das wäre natürlich sehr schade. Also fahren wir noch mit einer Wildwasserbahn, da das Wetter zwischenzeitlich richtig gut geworden ist und wir unsere Regenjacken wieder ausziehen konnten.
Danach geht es durch einen Tunnel in den zweiten Teil des Parks, der mit noch spektakuläreren (zumindest größeren) Achterbahnen aufwarten kann. Wir finden einen Plan mit Größenangaben und sehen, dass die Jungs in Begleitung doch die meisten Attraktionen fahren dürfen. Also zunächst auf zu einer Zug-Achterbahn und dann dem absoluten Highlight des Tages - dem Abyssus. Das ist eine blaue Achterbahn, die aus dem höchsten Punkt in fast freiem Fall direkt in einen Looping schießt. Chrissi bekommt leichtes Muffelsausen und auch mir wird beim Anstehen ein bisschen mulmig.

Wir lassen die Jungs natürlich nichts merken, was auch gut ist, denn die Fahrt ist wahnsinnig gut. Henrys Lippen zittern nach der Fahrt vor lauter Adrenalin, nur um sofort darauf zu sagen "das war das coolste, was ich bisher in meinem Leben gefahren bin". Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen...
Nach einem Eis fahren wir noch einige andere Achterbahnen, aber an Abyssus kommt gar nichts ran. Die Jungs fahren noch Autoscooter, während wir uns eine Pizza genehmigen. Als wir uns zum zweiten Mal bei der Formula-Achterbahn anstellen, beginnt es zu regnen. Henry und ich fahren noch einmal, aber Rufus weigert sich beharrlich bei Regen einzusteigen. Wir stellen uns unter, trinken ein Bierchen und die Jungs fahren noch ein paar Runden Autoscooter.
Der Regen lässt in Kürze nach und hatte den Vorteil, dass viele Besucher den Park bereits verlassen haben. So können wir ohne Anstehen noch einmal alle coolen Achterbahnen - natürlich auch das Highlight noch mal Fahren. Als I-Tüpfelchen drängt uns Henry dazu, den hintersten Wagen zu nehmen, was jeder Fahrt noch mehr Schwung gibt - der olle Adrenalin-Junkie. 😁 Wir sind bis zur Parkschließung um 18Uhr unterwegs und laufen an dem Tag 12km. Danach fahren wir wieder zurück auf unseren Parkplatz am Friedhof zum Übernachten. Was für ein cooler Tag.


