
Den nächsten Tag lassen wir nach dem ganzen Gelaufe und Gefahre ruhig angehen. Wir frühstücken in Ruhe, räumen unsere Sachen zusammen, und die Jungs spielen mit zwei Styroporfliegern auf dem Parkplatz. Das ist tatsächlich schon superschön zu sehen, nach 5 Wochen gemeinsamem Digitalentzug fallen ihnen - oft zusammen - viel mehr Dinge ein, die sie machen können und die nicht auf einem Handy, einem Tablett oder sonst in Verbindung mit Elektronik stattfinden. Für mich ein klarer Vorteil am Womo-Dasein!!
Das Ziel für heute ist noch nicht klar, und so richtig entscheidet es sich auch erst unterwegs: erst gehen wir Wäsche waschen. Zum Glück bietet unsere WoMo-App Park4Night in der Vollversion die Möglichkeit nach öffentlichen Waschgelegenheiten in der Nähe zu suchen. So finden wir eine Waschmaschine inkl. Trockner bei einem LKW-Rastplatz in der Nähe.

Während ich die Wäsche übernehme, erledigt Roman mit den Jungs die Lebensmittel-Einkäufe für die letzten Tage unserer Reise - diesmal in einem relativ mäßig sortierten Laden. Dann weiter Richtung Entsorgung. Das ist leider der logistische Nachteil, den man in Kauf nehmen muss wenn man auf keinem Stell- oder Campingplatz übernachtet, sondern kostenlose Parkplätze bevorzugt. Auch hier hilft uns die App weiter und Roman trägt den Ort als Zwischenstopp in unser Navi ein - was leider einen kleinen Umweg von 30 Minuten mit sich bringt.
Ein Kreisverkehr nach dem nächsten, und unsere Navi-Dame kennt noch nicht alle Straßen, die die EU hier gesponsert hat, der Weg ist irgendwie ganz schön lang... Aber auch das schaffen wir irgendwann, allerdings wird es eben auch immer später. Wir passieren die tschechische Grenze, offen war nun, ob wir nach Brno fahren, oder an einen See dort in der Nähe.
Da die Ankunftszeit sich immer mehr dem Nachmittag nähert, wirds der See. Ein wirklich netter Parkplatz, ganz unser Stil, direkt am See mit Blick auf den Selbigen, aber wir stehen völlig frei. Unsere Nachbarn für diese Nacht sind ein älteres Pärchen aus den NIederlanden mit dreibeinigem Hund (der auch noch einen gelähmten Schwanz hat, das arme Vieh), die sich sofort mit unseren Jungs anfreunden. Sie sind seit Monaten unterwegs und waren bis Norwegen mit ihrem VW-Bus unterwegs, sowas beeindruckt mich ja immer.

Am nächsten Tag geht es weiter Richtung Prag. Wir stellen uns auf einen mäßig schönen aber sehr zentralen bezahlten Parkplatz und fahren mit der Straßenbahn 14 direkt in die Innenstadt. Im Stadtzentrum überrascht uns schnell Regen, und zwar RICHTIGER Regen. Und die Wetter-App kündigt an, dass der eher schlimmer als besser werden soll. An der Stelle muss man vielleicht auch mal sagen: wir posten natürlich immer schöne Bilder und die schönen Geschichten. Aber Tage wie dieser gehen uns auch an die Substanz.
Alle laufen völlig durchnässt durch die Gegend, es gibt kein vernünftiges Alternativprogramm, und es ist auch nicht so spät, dass wir einfach ins Womo zurückgehen und den Tag einfach ein bisschen früher beenden können. Roman hat noch ein echt böhmisches Restaurant rausgesucht (das passend zu unserem heutigen Tag natürlich nur Bargeld nimmt, also wieder raus in den Regen - zweimal...), zumindest das läuft also. Aber Tage wie diese sind auch für uns alle kopfmäßig sehr anstrengend.
Aber schon Udo wusste: immer wieder geht die Sonne auf. So auch in Prag, so auch für uns - der nächste Tag begrüßt uns mit strahlendem Sonnenschein. Also schieben wir unsere Pläne ein bisschen und fahren nochmal in die Stadt. Und unsere Jungs sind halt einfach spitze, wir können in der Zwischenzeit echt Dinge anschauen.

Ja, Eis und ein paar Gummibärchen helfen, aber wir schauen gemeinsam das alte Rathaus einschließlich Männleinlaufen an, die Altstadt, und dann laufen wir über die Karlsbrücke zur Prager Burg hoch. Finde ich schon ordentlich, ich war sehr zufrieden.
Und dann kommt ein letztes Highlight auf unserer Reise - wir besuchen nach langer Zeit mal wieder Romans Tante einschließlich Lebensgefährten und Sohn in Komotau. Es wird ein superlustiger, sehr essens- und trinkensreicher Abend, bis alle hinreichend müde ins Bett fallen. Wir übernachten einfach auf dem Parkplatz direkt hinter dem Haus - der nachts tatsächlich relativ ruhig ist. Den nächsten Tag starten wir noch mit Frühstück bei Tante Ruzena (es gibt leckere rohlíky), und dann geht es auf die Straße nach Hause.

Mit etwas Abstand stelle ich jetzt beim Schreiben wieder fest - was für ein schöner Urlaub!! Ja, das Wetter im Sommer hätte sommerlicher sein können. Aber das gleiche haben Bekannte von uns zur gleichen Zeit in Italien auch berichtet. Gute Stimmung ist in solchen Fällen Kopfsache, da können wir vermutlich noch etwas üben. Aber es ging fürs erste Mal trotzdem erstaunlich gut, und es war ja auch nur immer wieder schlechtes Wetter, nicht ständig.
Was wir überdenken ist der Plan für Schweden - dort ist das Highlight wohl Wandern, das können wir uns mit unseren Jungs nicht wirklich vorstellen. Daher also mal sehen, wo es uns im nächsten Sommer hinverschlägt, Henry plädiert laut für eine zweite Runde Südfrankreich (diesmal in voller Besetzung), ich hätte Lust auf Atlantik, Bordeaux Richtung Südwesten. Oder es wird was ganz anderes, bis dahin haben wir ja noch ca 10 kleinere Touren vor uns 🙂.


