Wir warten auf das Hexenfeuer
Warten auf das Hexenfeuer - Stimmung ist hervorragend

(Kurztrip: 30.04.2026) oder auch - höchste Zeit ein paar unserer Vorurteile abzubauen. Das verlängerte Wochenende mit dem ersten Mai stand vor der Tür, die Wettervorhersage diesmal überragend gut und es wurde sowieso auch höchste Zeit ein Ziel aus unserem Weihnachtsgeschenk-Buch "Bade-Spaß mit dem Wohnmobil" auszuprobieren. Ich hatte zwar mehrere Optionen ausgewählt, aber Prio 1 war definitiv die Talsperre Pöhl im Vogtland in der Nähe von Plauen in Sachsen.

Dort gibt es die meisten Freizeitangebote und einen Radweg rund um den Stausee soll es auch geben. Das Wohnmobil ist schnell gepackt, wir brauchen eigentlich "nur" Klamotten für warmes Wetter und Essen für 3 Tage - klar soll diesmal auch der Grill endlich angeworfen werden.

Es trifft sich ganz gut, dass Rufus an diesem Donnerstag seinen "Schnuppertag" in der neuen Schule und damit schon um 11:15 Schluss hat. So können wir vorher noch beim Metzger vorbeischauen und uns mit Fleisch und Wurst für die nächsten Tage eindecken. Wegen des bevorstehenden Feiertags ist beim Metzger allerdings die Hölle los, zusätzlich bestellen Mitarbeiter der Müllabfuhr 20 Leberkäse-Brötchen und wir warten dadurch ungewöhnlich lange bis wir dran kommen. Bepackt mit Grillgut, Wurst, Fleischsalat und Leberwurst, die ich gleich in den vorgekühlten Wohnmobil-Kühlschrank umlade, sind wir trotzdem noch rechtzeitig zu Hause bevor Henry aufschlägt.

Die Feuerstelle ist bereit - gleich geht es los

Ich hieve noch die Fahrräder auf den Träger, stelle die Koordinaten vom Stellpatz an der Talsperre im Navi ein und kurz nach 14:30 geht es los. Eigentlich wollten wir früher loskommen, weil Chrissi befürchtet, dass der Stellplatz voll sein wird, wenn wir zu spät ankommen. Daher verzichten wir auch auf die Betankung mit AdBlue - obwohl das Auto sich permanent meldet, dass wir "nur" noch 2500km fahren können.

Mehr Strecke haben wir an diesem Wochenende sowieso nicht vor 😎. Wir kommen anfangs gut durch, erst vor dem Kreuz auf die A9 staut sich der Verkehr. Google meldet nur eine 5 minütige Verzögerung, aber faktisch verlieren wir 45 Minuten. Allzu sehr sollte man sich auf die Google Angaben dann doch nicht verlassen - diesmal wäre die empfohlene Umleitung vom Navi schneller gewesen.

So rollen wir erst in der Abendsonne am Stellplatz ein. Erfreulicherweise ist nur knapp die Hälfte der 15 Stellplätze belegt. Allerdings haben sich auf den noch freien Stellplätzen Leute mit ihren Stühlen niedergelassen. Normalerweise eine übliche Unart, so Plätze für später ankommende Freunde zu "reservieren". Einer kommt dann auch gleich auf uns zu und ich stelle mich schon innerlich auf eine leidige Diskussion ein - aber weit gefehlt. Der nette Herr fragt uns freundlich ob wir denn auf einen der Stellplätze möchten wo sie gerade sitzen.

Sie hätten sich da eigentlich nur niedergelassen weil dort noch die Sonne scheint. Natürlich würden sie für uns den Platz freimachen und sich enger zusammensetzen. Wir parken und werden beim Aussteigen von allen mit einem Hallo begrüßt. So kann man sich irren...

Hexenfeuer brennt
Hexenfeuer und Vollmond - einfach nur schön (und verdammt heiß..)

Ich werfe gleich den Herd an und bereite das Abendessen vor, damit wir noch draußen in der Sonne essen können, während Christina schon mal Tisch und Stühle vor unser Wohnmobil stellt. Währen wir essen kommt noch ein älteres Pärchen an und begrüßt uns per Handschlag. Von ihnen erfahren wir, dass heute Abend auf dem angrenzenden Campingplatz ein Hexen-Feuer (wegen Walpurgisnacht)  angezündet wird.

Wir sind einfach Glückskinder und damit wissen wir schon wo wir am Abend hingehen. Chrissi fragt bei den Nachbarn wofür das "V" im Autokennzeichen steht und bekommt als Antwort - natürlich Vatikanstaat (eigentlich Vogtlandkreis). Ist ne echt witzige Truppe von denen einer auch noch Roman heißt.

Nach dem Essen packen wir unsere Stühle und machen uns auf den Weg zum Hexen-Feuer. Vorsichtshalber haben wir uns etwas dicker eingepackt, weil es doch kühler wird sobald die Sonne mal weg ist. An der Feuerstelle ist bereits die Hölle los. Mehrere 100 Besucher mit und ohne Stühle, es gibt Bratwürste, Getränke, Schmalz- und Met-Brote und eine Band trällert live bekannte Oldie-Ohrwürmer.

Die Stimmung ist richtig schön. Ich probiere das lokale Bier und ordere einen trockenen Rose für meine Frau (es gibt tatsächlich eine größere Auswahl an Bier- und Weinsorten) während die Jungs umherstreifen und den riesigen Scheiterhaufen aus Paletten bewundern, an dessen Spitze tatsächlich eine Hexen-Puppe angebracht ist. Rufus ist ob der Hexe komplett aus dem Häuschen.

Damm an der Talsperre Pöhl
Der 42m hohe Damm an der Talsperre

Mit der Dunkelheit kommt auch die Kälte - eine dickere Jacke wäre hier sinnvoll gewesen. Das ändert sich schlagartig als das Feuer angezündet wird.

Auch in größerer Entfernung wird es so heiß, dass wir die Jacken ausziehen können. Wir genießen das Spektakel zu den Klängen von "Ring of Fire" und Hits von ABBA. Gegen 22:30 geht es zurück zum Wohnmobil und nach kurzer Zeit und einem Schlummertrunk ab in die Falle.

Die Nacht ist relativ kurz - gegen 6 Uhr läutet Henry den Tag ein indem er die Decken-Rolos aufmacht. Somit sind alle wach - wenn auch noch ziemlich müde. Da hilft nicht mal ein starker Kaffee. Die Luft ist noch kühl, aber in der Sonne kann man schon problemlos frühstücken was wir dann auch ausgiebig machen.

Chillen im Strandcafe
Limonade mit Aussicht im Strandcafe

Nach dem Frühstück schnalle ich die Räder ab und wir brechen auf um die Gegend zu erkunden. Wir fahren zunächst zum Stausee und dann auf einem Radweg am Kletterpark, der Schiffanlegestelle und der riesigen Staumauer vorbei. Der Weg führt anfangs flach, später jedoch mit moderaten Steigungen am See entlang. Da sich Rufus immer noch beharrlich weigert zu schalten und alles im 6 Gang fahren möchte, bedeutet das für ihn einige Schiebe-Passagen. Ist nicht direkt förderlich für die allgemeine Stimmung.

Nachdem sich der Weg im weiteren Verlauf vom See entfernt und unspektakulär durch das Landesinnere führt, beschließen wir zurück zu fahren und unterwegs in einem Strand Café mit Spielplatz einzukehren, das wir auf dem Hinweg gesehen haben. Wir trinken zwei leckere Limonaden und Eiskaffee in der strahlenden Sonne und genießen den wunderbaren Blick über den Stausee. Henry und Rufus räumen derweil die Schachfiguren um und schauen  den Leuten beim Minigolf zu. Bevor wir zurück fahren gibt es natürlich noch Eis für unsere beiden Rabauken. Die Stimmung ist danach deutlich besser.

Auf dem Rückweg gibt es direkt am Panorama-Restaurant eine große Liegewiese mit Spielplatz und die Jungs und Chrissi breiten sich schon mal aus, während ich noch fix zum Wohnmobil fahre, um Badehosen und Sandlzeug zu holen. Das Wasser des Stausees ist noch relativ frisch, was die Jungs allerdings nicht davon abhält mit anderen Kindern vom Steg rein zu springen.

Die Jungs baden trotz kaltem Wasser
Die Jungs trauen sich sogar in das kühle Nass

Ich traue mich auch ins kühle Nass - allerdings nur für 1-2 Minuten. Während Henry mit zwei Mädels am Wasser turnt und Eis essen geht, legt Rufus ein Schläfchen ein - war doch zu früh heute morgen. Am Abend werfe ich zum ersten Mal in diesem Jahr den WoMo-Grill an und wir schlemmen Cevapcici, Bratwüste, Bündle und Putensteaks.

Trotz anfangs nölender Jungs machen wir noch einen kleinen Verdauungs-Spaziergang über den Campingplatz. Heute Abend ist es schon so warm, dass wir draußen sitzen können. Die Jungs liegen derweil bereits selig in ihren Betten und auch Henry schläft fix ein, obwohl er doch gar nicht müde ist.

Am nächsten Morgen schlafen die Jungs glücklicherweise länger als am Vortag. Draußen ist es bereits so warm dass wir direkt im T-Shirt hinter dem Wohnmobil frühstücken können. Später wollen wir mal mit dem Schiff über die Talsperre fahren.

Die Jungs machen brav unseren Abendspaziergang mit
Kleiner Verdauungsspaziergang in der untegehenden Sonne

Abfahrtszeiten habe ich gestern schon ausgekundschaftet und Rufus fährt für sein Leben gerne mit dem Boot. Die einzige Fahrt am Samstag ist um 11 Uhr. Da bleibt uns eigentlich genug Zeit um einen zweiten Kaffee zu trinken und noch fix Geschirr zu spülen. Leider ist Rufus wieder mal im "Ärger-Modus" unterwegs, will keine Schuhe anziehen und raus will er auch nicht - so dass es zum Schluss doch wieder hektisch wird. Glücklicherweise ist die Anlegestelle nur 800m entfernt und wir schaffen es pünktlich inklusive Räder absperren und Fahrkartenkauf.

Wir müssen sogar noch 20 Minuten auf eine Reisegruppe warten, die völligst entspannt ohne große Eile nach und nach eintrudelt. Danach tuckern wir gemütlich über den Stausee, die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel, es fehlt eigentlich Nichts. Nur Rufus hat heute scheinbar keine Lust und mosert unentwegt. Wir sehen unzählige Dauercampingplätze mit festen Hütten, eine alte, historische Kirche, fahren unter der Autobahn durch und erfahren auch, dass für die Talsperre ein Dorf umgesiedelt werden musste und die Häuser alle noch im See verborgen sind.

Nach der Bootstour geht es wieder zur Liegewiese wo wir den kompletten Nachmittag mit dösen und Ball spielen verbringen. Wir genehmigen uns vor dem Heimweg noch einen Melonen-Spritz bzw. Eis für Henry im Panorama-Restaurant. Rufus ist heute so ätzend drauf, dass er zur Strafe kein Eis bekommt.

Wir machen auch eine Bootstour
Eine Runde mit dem Schiff darf normalerweise nicht fehlen

Am Abend werfe ich erneut den Grill an und mache Burger mit gebratenen Zwiebeln, Speck und Spiegelei. In der Zwischenzeit haben wir neue Nachbarn bekommen, ein älteres Pärchen aus Crailsheim - mit Hund. Die beiden sind nett und unsere Jungs haben den sehr gutmütigen Hund sofort ins Herz geschlossen, so dass wir den Abend gemeinsam mit lustigen Anekdoten vor deren Wohnmobil verbringen.

Es zeigt sich wieder Mal, dass die Welt ein Dorf ist, denn unser Nachbar ist mit Rolfi zusammen in die Schule gegangen. Als der Hund müde wird, schicken wir unsere Jungs auch ins Bett und sitzen noch eine Weile alleine draußen und genießen noch den stillen und warmen Abend. Obwohl ganz in der Nähe ein Straße vorbeiführt, ist der Stellplatz abends und nachts super ruhig.

Jungs mit dem Hund aus Crailsheim
Die Jungs lieben unseren Nachbarhund sofort

Der letzte Morgen startet wieder ausgeschlafen und bei bestem Wetter. Nach dem Frühstück wollen wir noch in den Kletterwald Pöhl, der - wie wir bei der gestrigen Bootstour erfahren haben - der größte in Mitteldeutschland sein soll. Henry freut sich schon seit Tagen darauf.

Wir bekommen Klettergurte und eine Einweisung und starten mit dem ersten Parcours. Henry klettert voran, dann folgt Chrissi, um Rufus unterwegs unterstützen zu können, und ich mache Schlusslicht und helfe Rufus beim Umhängen des Sicherungsseils. Ist kein Kinderparcours, sondern tatsächlich Klettern in ordentlicher Höhe. Die ersten Kletter- und Rutschpassagen klappen noch super, aber als wir über lose, sehr wackelige Seile klettern müssen, bekommt Rufus Angs und muss schlussendlich mit der Leiter herunter geholt werden.

Wir denken schon das war's - aber am Start des nächsten Parcours hängt sich Rufus sofort wieder ein und will unbedingt mit. Wir fragen vorsichtshalber beim Betreiber nach, ob das OK ist und er ihn notfalls wieder runter holen würde und bekommen als Antwort, dass denen lieber Kinder sind, die es versuchen und scheitern, als solche die es gar nicht erst versuchen - das ist mal der richtige Spirit.

Also auf zum nächsten, anspruchsvollen Parcours. Auch hier kommen wir an eine knifflige Stelle wo man auf einem Brett stehend zur nächsten Rampe schwingen muss. Hier bekommt Rufus wieder große Angst und will zunächst gar nicht rüber. Aber mit Ruhe und viel Zuspruch lässt er sich nach einiger Zeit doch überreden und meistert das Hindernis ohne große Schwierigkeiten. Ist schon ein mutiger, kleiner Kerl, der immer wieder zeigt, dass er Einiges drauf hat.

Rufus im Kletterwald
Unser kleiner, mutiger Kerl wächst wieder über sich hinaus..

Henry ist in der Zwischenzeit alleine losgezogen und hat alle für sein Alter freigegebenen Parcours erkundet. Wir fahren mit ihm gemeinsam einen reinen Seilrutschen-Parcours, während sich Rufus sein wohlverdientes Eis genehmigt. Es gibt noch ein Highlight im Kletterwald, das allerdings erst ab 12 freigegeben ist. Man kann in 16m Höhe knapp 180m über die Talsperre gleiten. Ist tatsächlich ein ganz schöner Adrenalin-Kick den ich als würdigen Abschluss unseres Klettertages absolviere.

Danach kehren wir erneut im Panorama-Restaurant ein, und lassen das wunderschöne Wochenende mit Eiskaffee, Aperol (ich muss ja nicht mehr fahren) und Eis mit einem letzten, sehnsüchtigen Blick über den Stausee ausklingen. Nach Hause will eigentlich keiner von uns - hilft aber nix. Ich schnalle noch die Räder auf den Träger und dann geht es mit kurzem Stau aber ansonsten auf absolut leeren Straßen wieder nach Hause.

War ein richtig schönes Wochenende - eigentlich unser erstes im Osten der Republik, wenn wir mal von Rügen, Usedom, Rostock und Stralsund absehen. Entgegen unseren Befürchtungen waren die Menschen, die wir getroffen haben super nett und freundlich. Keine Ahnung warum wir den Osten bisher gemieden haben. Das werden wir zukünftig definitiv anders machen - der nächste See wartet bestimmt schon auf uns..

Schöne Abendstimmung am Stellplatz
Wunderschöne Abendstimmung auf dem Stellplatz in Pöhl
Gleich beginnt die Einweisung im Kletterwald
Ausgerüstet und kletterbereit - gleich geht es los..
Relaxte Schiffstour
Bootstour bei bestem Wetter - Rufus ist trotzdem nicht glücklich..
Es gibt unzählige Rutschen im Kletterwald
Das Rutschen im Kletterwald macht fast am meisten Spaß
Die Panorama-Bar mit toller Aussicht
Die Panorama-Bar hat eine tolle Aussicht, leckeres Eis und Melonen-Spritz

Keine Kommentare